Thorsten Frei bei CDU in Nagold

"Wir müssen Opposition üben"

Thorsten Frei war zu Gast in Nagold. Foto: Fritsch
Thorsten Frei war zu Gast in Nagold. Foto: Fritsch
Die CDU hat die beiden letzten Wahlen in Bund und Land krachend verloren. Grund genug für die CDU im Kreis Calw, eine Mitgliederkampagne zu starten und zum Start einen der aktuell bundesweit profiliertesten CDU-Politiker nach Nagold zu lotsen.

Nagold - Thorsten Frei war Gemeinderat, Kreisrat, Oberbürgermeister in Donaueschingen, dann Bundestagsabgeordneter. Inzwischen ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und als "Erster Parlamentarischer Geschäftsführer" der Manager der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Er hat in seiner stets nach oben verlaufenen Polit-Karriere aber nicht nur Siege erlebt. Vor allem in jüngster Zeit waren auch mal Niederlagen dabei – und zwar zwei "krachende", wie er sie selbst frei heraus nennt. Die bei den jüngsten Bundes- und Landtagswahlen.

Für sich hat die CDU im Kreis Calw daraus jetzt eine Konsequenz gezogen. Und zwar die, unabhängig von irgendeinem Wahlkampf, eine Mitgliederkampagne zu starten. Und zu deren Start hatte man einen nach Nagold eingeladen, der sich momentan auf dem großen Polit-Parkett in Berlin zunehmend profiliert: eben jenen Thorsten Frei aus Donaueschingen.

"Geschlossenheit heißt aber nicht Friedhofsruhe"

Und der begann den Abend nicht damit, von zukünftigen Siegen zu reden. "Wir müssen die Situation annehmen, wie sie ist", sagte er vor gut 100 Gästen in Nagolds städtischem Veranstaltungssaal Kubus. "Und wir müssen Opposition üben, das gilt auch für mich", gab er den Christdemokraten aus dem Nordschwarzwald mit auf den Weg, die er zur Geschlossenheit aufrief. "Geschlossenheit heißt aber nicht Friedhofsruhe", mahnte Frei weiter und regte eine Debatte über die Programmatik der Union an.

Formell stand der Abend in Nagold unter dem Motto der "Geopolitik", was in Zeiten wie diesen natürlich das Thema Ukrainekrieg umfasste. In diesem Zusammenhang erinnerte daran, dass das Vorgehen von Wladimir Putin nicht wirklich neu und überraschend sei. Immerhin habe er unter anderem in Georgien und Tschetschenien vergleichbar agiert, erinnerte Frei. Dass man sich in Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland begeben habe, sei nachvollziehbar gewesen, immerhin sei das die kostengünstigste Variante gewesen, an die Rohstoffe zu kommen. Diese Abhängigkeit jetzt zu reduzieren sei richtig, aber statt aus Russland jetzt Gas aus Katar zu beziehen, hält Frei auch nicht für eine gute Lösung. Denn: "Katar ist der größte Finanzier des Terrors", rief der Politiker in Erinnerung, der dazu riet: "Bei allem was wir tun, müssen wir auch das Ende bedenken."

Diplomatie mit Stärke hinterlegen

In der Folge sprach sich der Mann aus Donaueschingen für eine Politik der Stärke aus. Diplomatie müsse man immer mit Stärke hinterlegen. Deshalb sei es auch richtig, die Bundeswehr zu ertüchtigen. Die Armee habe man jahrelang als "Steinbruch für den Haushalt" genutzt, das müsse angesichts der heutigen Situation aufhören. Zu einer Politik der Stärke gehören für Frei auch Waffenlieferungen an die Ukraine, für die er sich explizit aussprach. Auf das Argument einer Besucherin, nach 2014 habe es im Donbass Gräueltaten an russischstämmigen Ukrainern gegeben und Putin habe sich das nicht länger mitansehen wollen, reagierte Frei mit klaren Worten: Wenn man zulasse, dass sich Putin in dieser Form um russischstämmige Bevölkerungen in anderen Ländern kümmere, dann werde Putin demnächst die baltischen Länder angreifen. Eine Bemerkung, die die Besucher mit dem intensivsten Beifall des Abends quittierten.

 


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