Presse
14.02.2014, 09:21 Uhr
Schäfer: "So fällt die Region in einen Verkehrsschatten"
Artikel aus dem Schwarzwälder Boten vom 14. Februar 2014

In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses ging es zwar auch um neue Bauprojekte – aber vor allem um die in der vergangenen Woche zu lesenden Aussagen von Verkehrsminister Winfried Hermann in dieser Zeitung. Hermanns Sicht auf die verkehrspolitische Zukunft des Oberen Nagoldtals schmecken Wolfgang Schäfer, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU, so gar nicht:

 "Wenn ich lesen muss, dass der Verkehrsminister darum bittet, alle Kräfte auf die Hesse-Bahn zu fokussieren, und er im selben Atemzug sagt, dass das Nagolder S-Bahn-Projekt auf Eis gelegt werden muss, dann beunruhigt mich das." Wenn er dann auch noch lesen müsse, dass die marode L 353 nach Haiterbach nicht vor dem Jahr 2016 saniert werden könne, dann höre der Spaß auf, sagte Schäfer weiter. Als ob dies nicht reiche, sei auch die Herabstufung der Bundesstraße 28 zur Landesstraße nach wie vor nicht endgültig vom Tisch. Der Grüne Minister habe zwar in dem Zusammenhang einzig von einer "Umetikettierung" der Bundesstraße ohne einen damit verbundenen "Qualitätsverlust" gesprochen, dies sei aber, so Schäfer, nicht die Realität. "Die Navigationssysteme leiten die Autos bevorzugt über Bundesstraßen, nicht über Landesstraßen und somit dann an Nagold vorbei", sagte der CDU-Stadtrat. Dies sei für das Obere Nagoldtal wirtschaftlich ein erheblicher Standortnachteil.

Der Vorschlag des Verkehrsministers, dass Nagold statt eines S-Bahn-Anschlusses sich über Zubringerbusse an die Gäubahn anbinden solle, sei schlicht unakzeptabel. Vor allem, wenn die Kommune gleichzeitig ein so teures Projekt wie die Hesse-Bahn mit zu stemmen habe, wo der Vorteil aber klar bei anderen Kommunen liege, sagte Schäfer. Dabei spielte der Fraktionsvorsitzende der CDU vor allem auf die jährlich anfallenden 1,8 Millionen Euro Betriebskosten an, die mit der Hesse-Bahn auf den Landkreis und die Anrainerkommunen zukommen könnten. "Wir sollen in einem Busshuttle sitzen, anderen aber einen modernen Verkehr bezahlen", schimpfte Schäfer.


Der Stadtrat stellte dabei aber auch klar, dass er die Hesse-Bahn für notwendig halte – allerdings: "Eine attraktive Zugverbindung für Nagold sollte es schon auch geben." Für ihn fühle es sich so an, dass Nagold "Brotkrumen speisen muss, wo andere daneben an der prallgefüllten Tafel sitzen". Das Problem in Schäfers Augen ist klar: Er empfindet das Obere Nagoldtal durch die zukunftsweisenden Aussagen des Ministers "abgehängt" und "wie im Mittelalter". "Ich befürchte, dass so das Obere Nagoldtal in einen Verkehrsschatten fällt", fasste er seine Bedenken zusammen.

Oberbürgermeister Jürgen Großmann pflichtete dem CDU-Stadtrat in vielen Punkten bei und sagte zu, das Thema im Gemeinderat zu behandeln. "Glauben Sie mir, ich wäre der Erste gewesen, der dem Minister einen Handkuss gegeben hätte, wenn er beispielsweise die schnelle Sanierung der L 353 zugesagt hätte", so der Rathauschef.